Über die Wärmewende in Deutschland

10. Februar 2016
alex

Die Herausforderung der Energiewende

Die Wärmewende ist eine der Löwen-Aufgaben in der deutschen Energiewende. So hoch die Einspar-Potenziale auch sind, ihre Umsetzung ist schwierig. Denn ein Erfolg der Wärmewende ist abhängig von der aktiven Beteiligung großer Teile der Bevölkerung, den Besitzern von Ein- und Zweifamilienhäusern. In diesem Beitrag gebe ich einen Überblick über die Möglichkeiten und Herausforderungen der Wärmewende in Deutschland.

Was ist eigentlich Wärmewende?

Die Wärmewende ist ein Teil der Energiewende und beschreibt die Abkehr von einer fossilen, hin zu einer regenerativen Erzeugung von Wärme. Einfach gesagt heißt das: Der Verbrauch fossiler Rohstoffe wie Öl oder Gas soll reduziert und sogar komplett durch regenerative Energieträger ersetzt werden.

Die Wärmewende bezieht sich dabei nicht nur auf die Beheizung unserer Wohn- und Geschäftshäuser, sondern auch die Warmwasser-Bereitung und die Erzeugung von Prozesswärme für industrielle Abläufe.

Warum ist die Wärmewende wichtig?

Die Wärmewende ist besonders wichtig, da die Reichweite fossiler Rohstoffe begrenzt ist. Ganz gleich, ob Öl, Gas oder Kohle noch 100, 200 oder 300 Jahre verfügbar sind – sie gehen uns irgendwann aus. Bereits lange vorher werden die Kosten so stark steigen, dass Energie aus Fossilen zu einem Luxusgut wird.

Was an uns vielleicht noch vorbeigeht, trifft unsere Kinder und Enkel mit voller Kraft. Der einzige Unterschied: Je länger wir warten, desto schwerer wird das Handeln.

Welche Potenziale bietet die Wärmewende?

Das Ziel der Wärmewende ist es, die für Heizung, Warmwasser und industrielle Prozesse benötigte Wärme aus erneuerbaren Rohstoffen zu erzeugen. Damit sollen fossile Rohstoffe geschont und schädliche CO2-Ausstöße reduziert werden. Möglich wird das durch eine sinnvolle Kombination aus Energie-Einsparung und Austausch alter Heizungsanlagen.

Aus den Ergebnissen der aktuellen BDEW-Studie „Wie heizt Deutschland?“ geht dabei hervor, dass etwa 1/3 aller Heizungsanlagen in Deutschland älter als 20 Jahre sind. Gleichzeitig hat die „Metastudie Wärmedämmstoffe“ des Forschungsinstituts für Wärmeschutz (FIW) gezeigt, dass 65% der 18,1 Millionen Wohnhäuser in Deutschland nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen und eigentlich modernisiert werden müssten.

Ein ziemlich schlechtes Zeugnis für die energetische Qualität deutscher Wohnhäuser, zumal etwa 30% des gesamtdeutschen Energieverbrauchs durch sie verursacht wird.

Die beste Energie ist bekanntlich die, die nicht verbraucht wird. Betrachtet man also den Anteil des Wohnbereichs am gesamtdeutschen Energieverbrauch und die energetische Qualität von Wohnhäusern im Zusammenhang, wird schnell klar, welches enorme Einspar-Potenzial sich aus der Wärmewende ergibt.

Welche Einstellung hat die Politik zur Wärmewende?

„Ich sage heute, die Energiewende wird nur gelingen, wenn wir die Wärmewende in den Griff bekommen“. Mit diesem Satz leitete Bundesumweltministerin Barbara Hendricks ihre Rede zur Wärmekonferenz 2014 ein. Im weiteren Verlauf versprach sie „Politik aus einem Guss“ und stellte fest, dass die Wärmewende nur mit Energieberatung richtig zünden kann. Denn Sanieren ist kompliziert und Hausbesitzer wünschen sich transparente Überblicke über mögliche Maßnahmen, Kosten und Einsparungen.

Die Aussage macht deutlich, die Wärmewende ist im Fokus der Politik. Und die versucht mit Gesetzen, Verordnungen und Fördermitteln die richtigen Wege einzuschlagen. Hier ein kleiner Überblick:

  • Hohe Anforderungen an Neubau und Sanierung (Mit der EnEV, der Energie-Einsparverordnung stellt der Gesetzgeber hohe Anforderungen an Neubau- und Sanierungsprojekte. Diese beziehen sich auf die energetische Qualität der Gebäudehülle und die Effizienz der installierten Anlagentechnik)
  • Austauschpflicht alter Heizungsanlagen (Im Rahmen der EnEV hat der Gesetzgeber verordnet, dass alle Heizkessel, die älter als 30 Jahre sind, ausgetauscht werden müssen. Ausnahme: Die Heizkessel sind bereits Niedertemperatur- oder Brennwertkessel)
  • Schadstoff-Kontrolle alter und neuer Heizungsanlagen (Mit der Bundesimmissionsschutz-Verordnung, der BImSchV, werden alte und neue Heizungsanlagen regelmäßig auf ihren Schadstoffausstoß geprüft. Bei zu hohen CO-Werten oder der Überschreitung von Feinstaub-Grenzwerten sind Nachbesserungen oder der Austausch betreffender Anlagen Pflicht. Die regelmäßigen Kontrollen stellen eine optimale Einstellung der Heizkessel sicher.)
  • Verpflichtender Anteil regenerativer Energien an der Heizung im Neubau (Mit dem Erneuerbare-Energie-Wärme-Gesetz, dem EEWärmeG, führte der Gesetzgeber im Jahr 2009 einen verpflichtenden Anteil regenerativer Energien an der Wärmeerzeugung von Neubauprojekten ein. Mit Ersatzmaßnahmen, wie zum Beispiel eine 15% bessere Energieeffizienz im Vergleich zu den EnEV-Anforderungen, kann weiterhin auf erneuerbare verzichtet werden)
  • Effizienz-Label für neue und alte Heizkessel (Mit der Öko-Design-Richtlinie wurde im vergangenen Jahr das Energie-Effizienz-Label für Heizungsanlagen eingeführt. Wie bei Kühlschränken oder Glühlampen soll es nun auch bei Heiztechnik für mehr Transparenz sorgen. Seit dem 01. Januar 2016 gibt es das Label nun auch für alte Heizkessel.)
  • Förderung für effiziente Neubauten (Mit verschiedenen Programmen fördert der Gesetzgeber über die Kreditanstalt für Wiederaufbau, die KfW, den Neubau energieeffizienter Gebäude. Zinsgünstige Kredite oder Zuschüsse unterstützen damit den Bau von Gebäuden, die die energetischen Anforderungen der EnEV deutlich übertreffen.)
  • Förderung für energetische Sanierungen (Mit verschiedenen Programmen fördert der Gesetzgeber über die KfW, auch die energetische Sanierung von Wohngebäuden sowie die Durchführung von Energieeffizienz-Maßnahmen mit zinsgünstigen Krediten oder Zuschüssen.)
  • Förderung für den Einsatz energieeffizienter Heiztechnik (Neben einer ganzheitlichen Sanierung, wird auch die Optimierung bestehender Heizungsanlage oder die Installation einer erneuerbaren Heizungsanlage gefördert. Kredite und Zuschüsse für Solarthermie, Biomasse oder Wärmepumpe werden dabei von verschiedenen Stellen vergeben. Das Angebot kann regional unterschiedlich ausfallen.)
  • Förderung für Energieberatung und Baubegleitung (Um Hausbesitzer Schritt-für-Schritt an die Sanierung heranführen zu können, werden Energieberatungen durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, das BAFA, gefördert. Durch die KfW wird zusätzlich auch die Sanierungs-Begleitung durch einen neutralen Sanierungsberater bezuschusst, um eine hohe Effizienz der Projekte gewährleisten zu können)
  • Bindung der Energieberatung an die Förderung von Effizienzhäusern (Eine Voraussetzung für die Förderung von energetischen Sanierungen ist die Beauftragung eines Energieberaters. Dieser muss ein Energiekonzept erstellen und das Projekt neutral begleiten.)

Auch wenn dieser Überblick nicht vollständig ist, zeigt er dennoch, wie viele Gesetze und Verordnungen sich mit dem Thema Wärmewende beschäftigen. Ohne kompetente Unterstützung können Sanierer dabei schnell die Orientierung verlieren. Und weiter geht es wie im Dunkeln: Ohne Orientierung fühlen wir uns unsicher und überlegen dreimal, ob wir den nächsten Schritt wirklich machen sollen.

Welche Akteure sind beteiligt an der Wärmewende?

An der Wärmewende sind generell sehr viele Akteure beteiligt. Die wichtigste Gruppe sind dabei die Besitzer von Ein- und Mehrfamilienhäusern. Genau den Häusern, von denen in Deutschland 65% sanierungsbedürftig sind. Sie müssen Maßnahmen zur energetischen Sanierung durchführen und sind somit die Entscheider der Wärmewende.

Im Idealfall sollten sich die Hausbesitzer bei Fragen zur Energie-Effizienz und zur Sanierung an die nächste Akteurs-Gruppe der Wärmewende wenden: Die Energie-Effizienz-Experten, oder auch Energieberater. Etwa 15.000 technikaffine Berater, bestehend aus Architekten, Bauingenieuren, Handwerkern und Energieagenturen, die per Gesetz als neutrale Ansprechpartner für Fragen rund um Bau und Sanierung zur Verfügung stehen. Nach Angaben der BAfA wurden im Jahr 2013 etwa 10.250 förderfähige Energieberatungen im Wohnbereich durchgeführt. Gar nicht viel, bedankt man das es rund 18 Millionen sanierungsbedürftige Wohnhäuser gibt.

In der Praxis sind die ersten Ansprechpartner bei Problemen aber oft die Handwerker der jeweiligen Gewerke, die nächste Gruppe der Wärmewende-Akteure. Und die lösen die Probleme ihrer Kunden. Sie tauschen Heizungen, sanieren Fassaden oder decken Dächer. Je nachdem, welche Maßnahme am dringendsten ist. Denn das Budget der Sanierer ist knapp.

Bei größeren Vorhaben, etwa der ganzheitlichen Sanierung von Mehrfamilien-Häusern, wenden sich Sanierer in der Regel an Architekten oder Planer. Die sind ohnehin oft auch Energieberater und unterstützen ihre Kunden gern mit ganzheitlichen Bau- und Sanierungs-Konzepten. Sie beraten zu Fördermöglichkeiten und managen den Ablauf von Bau- und Sanierungsprojekten.

Eine weitere Gruppe der Wärmewende-Akteure sind Hersteller von Bau- und Heiztechnik. Sie sind kompetente Partner der Handwerker, beraten Planer und Architekten und werben medienwirksam um die Gunst der Bauherren und Sanierer. Mal ehrlich, was wäre der Wintersport ohne Heizungswerbung? Hersteller bieten zum Beispiel Mauerwerk, Dämmung, Fenster oder Heizungen und wissen auch sehr gut, dass das Budget der Kunden begrenzt ist.

Weiter nach oben, folgen die Energieversorgungs-Unternehmen als nächste Gruppe der Akteure der Wärmewende. Sie liefern Gas, Öl oder Wärme und stehen in Zukunft vor einer großen Herausforderung. Denn wenn alle mit Erneuerbaren heizen, schrumpft langfristig die Nachfrage nach fossilen Rohstoffen. Aktuell befinden sich viele Energieversorgungs-Unternehmen in einem Prozess des Wandels – Weg vom „bloßen“ Energieversorger, hin zum modernen Dienstleister und Ansprechpartner für Hausbesitzer und Sanierer.

Einen großen Beitrag zur Wärmewende liefern Vereine, Verbände und Institutionen. Sie setzen sich wie die Energieagentur NRW oder die Verbraucherzentrale-Energieberatung aktiv dafür ein Wissen und Informationen zu vermitteln oder arbeiten wie das Sonnenhaus- oder Passivhausinstitut an der Erforschung und Erprobung nachhaltiger Gebäudekonzepte.

Am oberen Ende der Wärmewende-Akteure steht die Politik. Mit dem Ziel, die Wärmewende zum Erfolg zu bringen, steht sie vor der Herausforderung regulatorische Maßnahmen zu finden und umzusetzen. Von der EU bis zur Kommune sind alle politischen Ebenen involviert. Die Interessen gehen dabei nicht immer in die gleiche Richtung.

Die Übersicht macht eines ganz deutlich: Die Akteure der Wärmewende und ihre Interessen könnten nicht vielschichtiger sein.

Wo stecken die größten Herausforderungen?

Eine Antwort auf diese Frage ist leicht: Denn die größte Herausforderung der Wärmewende ist es, die Interessen der Akteure zu „harmonisieren“ und Informationen so zu vermitteln, dass Sanierern, den Entscheidern der Wärmewende, ihre Unsicherheit genommen wird.

Ich persönlich bin davon überzeugt, dass das im Wesentlichen eine Kommunikationsaufgabe ist. Die Wärmewende wird erst dann richtig zünden, wenn sie für Bauherren und Sanieren als einfachste Lösung wahrgenommen wird. Denn es liegt in der Natur der Dinge und des Menschen, dass es der Weg des geringsten Widerstandes ist, der am häufigsten gegangen wird.

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Es gibt noch einen weiteren wichtigen Aspekt:
Wie hoch ist das Wirtschaftlichkeits-Verhältnis: Investition/Energieeinsparung?
Wenn ein Hausbesitzer beispielsweise 20000 Euro investiert, aber mit Einsparmaßnahme 1 nur 15%, Maßnahme 2 16%, 3=35% und die Maßnahmen 4-12 alle >50%, teilweise 80% erbringen?
Diese Wirtschaftlichkeitsbetrachtung ist der entscheidende Unterschied zur gängigen Praxis. Schlechte Einsparquoten, unseriöse Angebote, umstrittene Maßnahmen, Angst vor Abzocke und fehlende Informationen über innovative Einsparmethoden sind der Hauptgrund für den Rückgang der Sanierungsquote und werden kaum durch die aufgeführten Maßnahmen entscheidend verändert.
Deshalb ist eine umfassende Aufklärungskampagne über technisch bewährte und wirtschaftlich hoch effektiven Techniken der einzig zielführende Weg.
Wichtiger Unterschied zu aktuellen Wirtschaftlichkeitsberechnung: Strom und Heizung werden ZUSAMMEN berechnet. Dadurch ist es egal wie hoch der Ölpreis ist. Denn mit regenerativen Heizungen fallen weder Öl/Gas noch deren Schadstoffe zu 100% (in Worten: einhundert Prozent=komplett!) an.
Denn es ist schon entscheidend, ob ich nur Einsparungen auf fossile Brennstoffe vornehme (Brennwerttechnik oder Außenwanddämmung) oder mit regenerativen Kombinationssysteme weit über 70% Strom und Wärme ZUSAMMEN einspare und sofort nach Investitionsschluß NIE WIEDER Rechnungen für Öl oder Gas bezahlen muss.
Wie das funktioniert, warum die Wärmewende sogar in Innenstädten und bei Mietern funktioniert (endlich können auch die ökologisch und finanziell katastrophalen Nachtspeicherheizungen ersetzt werden), steht im ersten Energiewenderatgeber: „EnergiePreisBremse“ (Neuerscheinung ISBN-10: 3941275909) und im gleichnahmigen Youtube-Kanal.

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A. Creifelds
12. Februar 2016 10:31

Energiewende ist m.E. ein Unwort.
Tatsache ist, dass fachlich inkompetente Verkäufer den Markt beherrschen, leider nicht die fachlich gut ausgebildeten Ingenieure.
Naive Bauherren werden durch verkaufstechnisch gut geschulte Verkäufer über den Tisch gezogen.
Nachträgliche, rechtliche Handhabe ist meist nicht gegeben.

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